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Herzrhythmus

Vorhofflimmern – einfach erklärt

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Dabei schlagen die Vorhöfe des Herzens nicht mehr geordnet, sondern chaotisch und sehr schnell – mit bis zu 350–600 elektrischen Impulsen pro Minute.

Wie häufig ist das?

In Deutschland sind etwa 1,5–2 Millionen Menschen betroffen. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter stark an: Bei über 80-Jährigen hat jeder zehnte Vorhofflimmern.

Auslöser und Ursachen

Häufige Ursachen: Bluthochdruck (häufigste Ursache), Herzklappenfehler (besonders Mitralklappenfehler), koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Schilddrüsenüberfunktion, Alkohol (auch einmalig viel Alkohol kann Vorhofflimmern auslösen – \'Holiday Heart Syndrome\'), Schlafapnoe.

Was passiert im Herzen?

Normalerweise gibt der Sinusknoten im rechten Vorhof den Takt vor. Bei Vorhofflimmern übernehmen viele kleine elektrische Herde in den Vorhöfen diese Funktion. Die Vorhöfe zittern nur noch, anstatt sich geordnet zusammenzuziehen. Der AV-Knoten filtert die chaotischen Impulse, leitet aber unregelmäßig weiter – daher der unregelmäßige Puls.

Symptome

Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag, Schwindel oder Benommenheit, Luftnot, Leistungsminderung, Brustdruck. Manche Patienten spüren gar nichts – Vorhofflimmern wird zufällig entdeckt.

Gefahren

Das größte Risiko ist der Schlaganfall. Da die Vorhöfe nicht mehr richtig pumpen, kann sich Blut stauen und Gerinnsel bilden. Diese können ins Gehirn geschwemmt werden und einen Schlaganfall verursachen. Das Schlaganfallrisiko ist bei Vorhofflimmern 5-mal höher als ohne.

Wann ist eine Blutverdünnung notwendig?

Das Schlaganfallrisiko wird mit dem CHA2DS2-VASc-Score berechnet. Faktoren: Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, Alter über 75 Jahre, Diabetes, Schlaganfall in der Vorgeschichte, Gefäßerkrankung, Alter 65–74 Jahre, weibliches Geschlecht. Bei einem Score von 2 oder mehr wird eine Blutverdünnung (orale Antikoagulation) empfohlen.

Medikamentöse Behandlung

  • Frequenzkontrolle (Puls beruhigen): Betablocker, Kalziumantagonisten oder Digoxin senken die Herzfrequenz. Ziel: Puls unter 80/min in Ruhe.
  • Rhythmuskontrolle (Herz wieder in normalen Rhythmus bringen): Antiarrhythmika wie Flecainid, Propafenon oder Amiodaron. Elektrische Kardioversion (Elektroschock unter Kurznarkose).

Katheterablation (Verödung im Herzen)

Prinzip: Über einen Katheter werden die elektrischen Herde, die das Vorhofflimmern auslösen, verödet. Meist werden die Lungenvenen elektrisch isoliert, da dort die meisten Auslöser liegen (Pulmonalvenenisolation).

Chirurgische Ablation: Im Rahmen einer Herzoperation kann eine Maze-Operation durchgeführt werden, bei der Narbenlinien im Vorhof das Vorhofflimmern unterbrechen.

AV-Knoten-Ablation + Schrittmacher

Bei Patienten, die nicht auf andere Therapien ansprechen, kann der AV-Knoten verödet werden. Danach ist ein Herzschrittmacher notwendig, der den Herzrhythmus übernimmt.

Prognose

Vorhofflimmern ist selten lebensbedrohlich, aber erhöht das Schlaganfall- und Herzinsuffizienz-Risiko. Mit konsequenter Behandlung (Blutverdünnung, Frequenz- oder Rhythmuskontrolle) kann das Risiko deutlich gesenkt werden.

Zusammenfassung

Vorhofflimmern ist häufig, oft symptomarm, aber gefährlich wegen des Schlaganfallrisikos. Wichtig ist die konsequente Behandlung mit Blutverdünnung und Herzfrequenzkontrolle. Moderne Verfahren wie die Katheterablation bieten gute Chancen auf Rhythmuskontrolle.

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