Die Online Praxis für Zweitmeinungen — Prof. Ivar Friedrich
Minimalinvasiver Eingriff

Stentimplantation – Theorie, Praxis, Chancen und Grenzen

Die Stentimplantation ist ein häufig eingesetztes Verfahren zur Behandlung verengter Herzkranzgefäße bei der koronaren Herzkrankheit. Ziel ist es, ein eingeengtes Gefäß mechanisch wieder zu eröffnen und dauerhaft offen zu halten, damit der Herzmuskel ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.

Theorie – Was passiert bei einer Stentimplantation?

Ein Stent ist ein kleines röhrenförmiges Metallgitter, das in ein verengtes Gefäß eingesetzt wird. Die Grundidee ist einfach: Die Engstelle in der Koronararterie wird von innen aufgedehnt und anschließend durch den Stent stabilisiert, damit sie nicht wieder zusammenfällt.

Die Behandlung erfolgt meist im Rahmen einer Koronarangiographie. Dabei wird ein dünner Katheter über die Leisten- oder Handgelenksarterie bis zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben. Über diesen Katheter wird ein Ballon in die Engstelle gebracht und aufgeblasen. Dadurch wird die Plaque in die Gefäßwand gedrückt und das Gefäß erweitert. Anschließend wird der Stent in dieser Position entfaltet und bleibt dauerhaft im Gefäß.

Praxis – Ablauf der Behandlung:

In der klinischen Praxis erfolgt der Eingriff in einem Herzkatheterlabor unter Röntgenkontrolle. Der Patient ist meist wach, aber örtlich betäubt. Nach Darstellung der Engstelle wird der Ballon-Stent-Katheter positioniert. Durch das Aufblasen des Ballons entfaltet sich der Stent und wird fest in die Gefäßwand gedrückt. Danach wird der Ballon entfernt, der Stent bleibt als 'Gerüst' im Gefäß zurück.

Medikamentenbeschichtete Stents (Drug-Eluting Stents):

Eine wichtige Weiterentwicklung sind medikamentenbeschichtete Stents. Diese Stents geben lokal Medikamente ab, die das Zellwachstum in der Gefäßwand hemmen. Dadurch wird verhindert, dass sich die Gefäßinnenhaut übermäßig vermehrt und den Stent erneut verengt. Frühere unbeschichtete Metallstents hatten ein relativ hohes Risiko für eine sogenannte Restenose, also eine erneute Verengung durch Gewebewachstum. Moderne medikamentenbeschichtete Stents haben dieses Risiko deutlich reduziert. Heute liegen die Offenheitsraten dieser modernen Stents nach mehreren Jahren meist bei über 90 Prozent.

Chancen der Stenttherapie:

Die Stentimplantation bietet viele Vorteile: Sie kann verengte Gefäße rasch wieder eröffnen und die Durchblutung des Herzmuskels sofort verbessern. Dadurch verschwinden oder bessern sich häufig die Beschwerden der Angina pectoris deutlich. Auch im akuten Herzinfarkt ist der Stent die wichtigste Maßnahme, um ein verschlossenes Gefäß schnell wieder zu eröffnen. Zudem ist der Eingriff minimalinvasiv, erfordert keine große Operation und hat eine vergleichsweise kurze Erholungszeit.

Limitationen der Methode:

Trotz der guten Ergebnisse hat die Stenttherapie auch Grenzen. Sie behandelt nur die einzelne Engstelle, nicht jedoch die zugrunde liegende Erkrankung der Gefäße. Die Atherosklerose kann an anderen Stellen fortschreiten oder neue Stenosen bilden. Bei sehr langen, stark verkalkten oder ungünstig gelegenen Verengungen – etwa im Bereich des Hauptstamms oder bei einer Drei-Gefäßerkrankung – kann ein Bypass chirurgisch überlegen sein.

Mögliche Komplikationen:

  • Blutungen oder Gefäßverletzungen an der Einstichstelle
  • Gefäßspasmen oder Dissektionen während des Eingriffs
  • Akuter Verschluss des behandelten Gefäßes
  • Thrombose im Stent (insbesondere in den ersten Wochen nach Implantation)
  • Späte Restenose trotz moderner Beschichtungen (selten)
  • Sehr selten Herzinfarkt oder Rhythmusstörungen während des Eingriffs

Ein entscheidender Punkt ist die konsequente Einnahme von Blutplättchenhemmern nach dem Eingriff, meist eine Kombination aus Aspirin und einem zweiten Wirkstoff wie Clopidogrel. Diese Therapie verhindert gefährliche Stentthrombosen besonders in der frühen Phase.

Zusammenfassung:

Die Stentimplantation ist heute eine zentrale, sehr erfolgreiche Methode zur Behandlung der koronaren Herzkrankheit. Moderne medikamentenbeschichtete Stents bieten hohe Offenheitsraten und eine gute langfristige Stabilität. Ihre Grenzen liegen jedoch darin, dass sie nur lokale Engstellen behandeln und die zugrunde liegende Gefäßerkrankung nicht vollständig beseitigen.

Betrifft Sie dieses Thema persönlich?

Prof. Friedrich gibt Ihnen eine unabhängige, fachärztlich fundierte Zweitmeinung.

Zweitmeinung anfragen