Medikamentöse Therapie – Grundlage jeder Behandlung:
Betablocker senken die Herzfrequenz und die Arbeitsleistung des Herzens. Dadurch benötigt der Herzmuskel weniger Sauerstoff, was besonders bei Belastung Angina-pectoris-Beschwerden reduziert.
ACE-Hemmer erweitern die Blutgefäße und senken den Blutdruck. Zusätzlich schützen sie Herz und Gefäße langfristig vor ungünstigen Umbauprozessen.
Thrombozytenhemmer wie Aspirin oder Clopidogrel verhindern, dass sich Blutplättchen an Gefäßverletzungen anlagern. Damit wird das Risiko eines akuten Gefäßverschlusses und damit eines Herzinfarkts deutlich reduziert.
Statine senken das LDL-Cholesterin und stabilisieren atherosklerotische Plaques. Sie bremsen damit das Fortschreiten der Erkrankung und senken das kardiovaskuläre Risiko.
Die medikamentöse Therapie kann Symptome deutlich verbessern und die Prognose günstig beeinflussen, heilt aber bestehende Engstellen meist nicht vollständig.
Stentimplantation – lokale Wiedereröffnung des Gefäßes:
Bei der Stentimplantation wird eine verengte Koronararterie mechanisch erweitert. Über einen Katheter wird ein Ballon in die Engstelle gebracht, aufgeweitet und ein Metallgitter, der Stent, in die Gefäßwand gedrückt. Er bleibt dauerhaft im Gefäß und stabilisiert es von innen.
Moderne medikamentenbeschichtete Stents geben Wirkstoffe ab, die das Nachwachsen von Gefäßgewebe hemmen. Heute liegen die langfristigen Offenheitsraten meist bei über 90 % innerhalb mehrerer Jahre.
Die Stenttherapie ist besonders wirksam bei einzelnen oder wenigen Engstellen und hat den großen Vorteil, dass sie minimalinvasiv ist und schnell wirkt.
Bypassoperation – Umgehung der Engstelle:
Die Bypassoperation ist ein herzchirurgisches Verfahren, bei dem verengte oder verschlossene Koronararterien überbrückt werden. Dafür werden körpereigene Gefäße, meist die Brustwandarterie oder Venen aus dem Bein, verwendet.
Im Gegensatz zur Stenttherapie behandelt der Bypass nicht nur eine einzelne Engstelle, sondern schafft eine neue dauerhafte Blutbahn.
Wann ist der Bypass besser als der Stent?
Mehrgefäßerkrankung und Diabetes
Bei einer Drei-Gefäßerkrankung oder einer Hauptstammstenose ist der Bypass in vielen Fällen die bessere Wahl.
Studien zeigen: Patienten mit komplexer Mehrgefäßerkrankung — insbesondere bei gleichzeitigem Diabetes — profitieren langfristig mehr von einer Bypassoperation als von einer Stentimplantation.
Zusammenfassung:
Die Wahl der richtigen Therapie hängt von der individuellen Situation des Patienten ab: Ausmaß und Lage der Verengungen, Begleiterkrankungen, Alter und allgemeiner Gesundheitszustand. Eine unabhängige Zweitmeinung kann helfen, die optimale Behandlungsstrategie zu finden.
Über den Autor

Prof. Dr. med. Ivar Friedrich
Facharzt für Herz- und Thoraxchirurgie · Intensiv- und Notfallmedizin
Prof. Friedrich verfügt über mehr als drei Jahrzehnte klinische Erfahrung in der Diagnose und Behandlung komplexer Herzerkrankungen. Als unabhängiger Berater ist er keinen Klinik- oder Firmeninteressen verpflichtet — ausschließlich Ihrer Gesundheit.
