Struktur der Aortenwand – warum sie anfällig wird:
Die Aortenwand besteht aus drei Schichten: Intima (innen), Media (Mitte, enthält elastische Fasern und glatte Muskelzellen) und Adventitia (außen). Die Elastizität der Aorta hängt vor allem von den elastischen Fasern in der Media ab. Wenn diese Fasern durch Erkrankungen, Alterung oder genetische Faktoren geschwächt werden, verliert die Aortenwand ihre Stabilität und weitet sich aus.
Angeborene und erworbene Ursachen:
- • Angeborene Faktoren: Marfan-Syndrom (Bindegewebserkrankung mit Schwäche der Aortenwand), bikuspide Aortenklappe (erhöhtes Risiko für Aortenwurzel-Aneurysma), andere genetische Bindegewebserkrankungen.
- • Erworbene Faktoren: Atherosklerose (häufigste Ursache für abdominale Aortenaneurysmen), Bluthochdruck (chronische Druckbelastung schwächt die Gefäßwand), Entzündungen der Aortenwand (Aortitis).
Lokalisationen des Aortenaneurysmas:
- • Thorakales Aortenaneurysma: im Brustkorb, betrifft aufsteigende Aorta, Aortenbogen oder absteigende Aorta.
- • Abdominales Aortenaneurysma (AAA): im Bauchraum, unterhalb der Nierenarterien, häufigste Form.
- • Thorakoabdominales Aneurysma: erstreckt sich von Brust- in Bauchraum.
Kritischer Durchmesser und Wachstum:
Das Risiko einer Ruptur (Einriss) steigt mit zunehmendem Durchmesser stark an. Als kritische Grenze gilt bei der Aorta ascendens ein Durchmesser von 5,5 cm, beim abdominalen Aortenaneurysma ebenfalls 5,5 cm. Das Wachstum beträgt durchschnittlich 2–4 mm pro Jahr, kann aber variieren.
Gefahr der Ruptur:
Eine Ruptur des Aortenaneurysmas ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Ohne sofortige Operation ist die Sterblichkeit extrem hoch. Symptome einer drohenden Ruptur: plötzlicher, reißender Schmerz im Rücken oder Bauch, Kreislaufschock.
Operative Therapie – Rohrprothese:
Bei einem Aneurysma, das die kritische Größe erreicht hat oder schnell wächst, ist eine Operation notwendig. Dabei wird das erweiterte Segment der Aorta durch eine Kunststoffprothese (Dacron- oder ePTFE-Prothese) ersetzt.
- • Ablauf vereinfacht: Zugang über Sternotomie (Brustkorb) oder Laparotomie (Bauch), Anschluss an die Herz-Lungen-Maschine (bei thorakalen Aneurysmen), Eröffnung des Aneurysmas, Einsetzen der Rohrprothese, Verschluss.
- • Alternativ: Endovaskuläre Therapie (EVAR/TEVAR) – Einsetzen einer Stentprothese über die Leiste ohne großen Schnitt, möglich bei geeigneter Anatomie.
Prognose nach Operation:
Bei elektiver (geplanter) Operation ist die Prognose gut. Die Sterblichkeit liegt bei erfahrenen Zentren unter 3–5%. Nach erfolgreicher Operation ist das Rupturrisiko beseitigt. Regelmäßige Nachsorge-Bildgebung ist wichtig.
Zusammenfassung:
Das Aortenaneurysma ist eine ernste, aber gut behandelbare Erkrankung. Entscheidend ist die rechtzeitige Diagnose und die Beobachtung des Wachstums. Bei Erreichen kritischer Größen oder bei schnellem Wachstum ist eine Operation notwendig. Eine unabhängige Zweitmeinung kann helfen, den richtigen Zeitpunkt für den Eingriff zu bestimmen.
